Zum Tode unseres Präses Ottmar Ackermann

Trauerrede des 1. Vorsitzenden der Kolpingsfamilie Aalen e.V. - Martin Joklitschke

 

„Man sieht die Sonne langsam untergehen

und erschrickt doch, wenn es dunkel ist.“

Diesen Satz kann man ab und zu in einer Traueranzeige oder auf einer Trauerkarte lesen. Und ich finde, dass dieser Satz nicht passender sein könnte für das, was wir in diesen Tagen empfinden.

Der Tod von Ottmar Ackermann erfüllt auch uns, die Kolpingsfamilie, mit großer Trauer. Wir haben das vermeintlich Unabwendbare kommen sehen, wollten es aber nicht wahrhaben. Bis zuletzt haben wir gehofft und darum gebetet, dass Ottmar die Krankheit doch noch irgendwie besiegen kann.

Ottmar hinterlässt in der Kolpingsfamilie eine große Lücke und wir können noch gar nicht richtig ermessen, was sein Tod für uns bedeutet.

Wie oft hat er selber anderen Trost gespendet und immer die treffenden Worte gefunden. Unvergessen bleiben auch seine Predigten, von denen wir immer lange zehren konnten.

Ottmar war eher ein Mann der leisen Töne, aber durchaus kritisch, der nie mit seiner Meinung hinterm Berg hielt. Er stellte seine Person nie gerne ins Rampenlicht. Seine „Bühne“ war vielmehr hier, in der Kirche, an diesem Ambo oder bei den Menschen, die seiner Hilfe bedurften.

Schon von früher Jugend an hat sich Ottmar den Ideen Adolph Kolpings verschrieben. Im Alter von 16 Jahren wurde er in die Kolpingsfamilie Schwäbisch Gmünd aufgenommen. Schon bald kristallisierte sich heraus, dass er keinesfalls eine passive Rolle einnehmen wollte.

Adolph Kolping sagte einmal:

 „Es ist keine Zeit zu feiern, zuzuschauen, gewähren zu lassen, bloß zu jammern und zu klagen, sondern es ist Zeit zu handeln, Zeit zu wirken, und zwar für jeden ohne Unterschied, wie es ihm nach Maßgabe seiner Kräfte und Mittel nur möglich ist.“

Diese Worte hat sich Ottmar schon sehr früh zu eigen gemacht.

Ottmar war Mitglied der Kolpingjugend und schon bald Gruppenleiter, später Gesamtleiter der Kolpingjugend Schwäbisch Gmünd und dann auch Bezirksleiter im Bezirk Schwäbisch Gmünd - Göppingen. Sieben Jahre lang war Ottmar in der Diözesanleitung der Kolpingjugend, davon drei Jahre als Diözesanleiter.

Nach dem Umzug nach Aalen schloss sich Ottmar gleich unserer Kolpingsfamilie an. Und als das Amt des Präses vakant war, zögerte er nicht lange und übernahm 1992 dieses Amt, das er nun bis zu seinem Tod ausübte. Noch nie zuvor in der 130-jährigen Geschichte der Kolpingsfamilie Aalen war jemand so lange Präses wie er. Ottmar hat sich in all den Jahren weit über die eigentlichen Aufgaben als Präses hinaus für die Kolpingsfamilie engagiert. Neben der Vorbereitung und Mitgestaltung von Gottesdiensten, Andachten, Einkehrtagen, Bergmessen, Präsesabenden und religiösen Bildungsveranstaltungen hat er sich immer überaus konstruktiv in die Vorstandarbeit eingebracht und so die Kolpingsfamilie aktiv mitgestaltet und geprägt.

Ottmar lag die Gemeinschaft sehr am Herzen. Er hatte aber auch stets jedes einzelne Mitglied im Blick und ein Gespür dafür, wenn jemand seine Hilfe benötigte. Ganz selbstverständlich bot er seine praktische und tatkräftige Unterstützung an. Neben dem Amt als Präses engagierte sich Ottmar viele Jahre lang unter anderem auch in der Seniorenarbeit der Kolpingsfamilie und in unserer Kolpinghütte.

Kraft Amtes war Ottmar auch 2. Vorsitzender der früheren Abendrealschule Aalen/Ellwangen. Außerdem unterstützte er die Aktion Tschernobyl-Kinder und begleitete dreimal einen Hilfstransport nach Weißrussland. Besonders am Herzen lagen ihm dort die alleinerziehenden Mütter mit ihren Kindern. Auch nach dem Eintritt in den Ruhestand war Ottmar unermüdlich im Einsatz und er war mit seinem ehrenamtlichen sozialen Engagement ein vorbildhaftes Beispiel für alle Mitglieder der Kolpingsfamilie Aalen und weit darüber hinaus.

2012 übernahm Ottmar zusätzlich auch das Amt des Bezirkspräses im Kolping-Bezirksverband Ostalb. Und auch im Bezirk hatte Ottmar immer ein offenes Ohr für die Anliegen der 12 Kolpingsfamilien und bereicherte mit seinen Ideen die Bezirksarbeit maßgeblich.

Im vergangenen Monat waren wir bei der Kolpingsfamilie Abtsgmünd zu Gast bei einem Vortrag von Pater Anselm Grün. Eine der Kernbotschaften von Anselm Grün lautete folgendermaßen:

 „Ich bin nicht dankbar, weil ich glücklich bin,

sondern ich bin glücklich, weil ich dankbar bin.“

Ich habe lange über diesen Satz nachgedacht und muss feststellen, dass ich mich in diesen Tagen der Trauer mit dieser Aussage schwer tue. Ich kann beim besten Willen nicht glücklich sein, heute nicht und wahrscheinlich auch noch lange Zeit nicht. Aber ich bin zuversichtlich, dass irgendwann die Trauer weichen wird und ich dann glücklich sein kann, eben weil ich so dankbar bin für das, was Ottmar für die Kolpingsfamilie alles getan hat.

Diese Zuversicht und Hoffnung wünsche ich auch dir, liebe Lilo, und der ganzen Familie: dass auch bei euch sich eines Tages die Trauer in Glück wandelt.

In tiefer Trauer, aber auch in großer Dankbarkeit nehmen wir nun Abschied. Ottmar wird immer einen ehrenvollen Platz bei uns haben – in unseren Erinnerungen, in unseren Gedanken und in unseren Herzen.

Der "Präses" in der Kolpingsfamilie und im Kolpingwerk

Unser Präses beim der Bergmesse 2011 auf dem Rosenstein

Das Kolpingwerk versteht sich als "ein Verband von engagierten Christen" und als "Teil der katholischen Kirche". Es sieht sich in der Pflicht, "seine Mitglieder zu befähigen, sich als Christen in der Welt und damit in Ehe, Familie, Arbeitswelt, Freizeit, Kirche, Gesellschaft und Staat zu bewähren..." (Satzung des Kolpingwerkes Deutschland).

Diese Begleitung und Befähigung der Mitglieder und Verantwortlichen ist ein Kernstück des pastoralen Dienstes in der Kolpingsfamilie. Dieser Dienst hat deshalb eine zentrale und unverzichtbare Bedeutung. Er obliegt in der Regel dem Präses.

Das Amt des Präses gehört seit Adolph Kolping zur Struktur des Kolpingwerkes. Es ist grundsätzlich an das Weiheamt (Priester, Diakon) gebunden. Anfangs und über längere Zeit hinweg wurden die Gesellenvereine sogar vom Präses geleitet. Der Präses ist auch heute noch Mitglied des Vorstandes. Er ist primär, allerdings nicht ausschließlich, für die rein religiösen Angelegenheiten zuständig und trägt Mitverantwortung für alle Fragen, die die Arbeit des Vorstandes betreffen.

Adolph Kolping selbst hat dem Präsesamt unverwechselbare Konturen gegeben.Aus dem ganzheitlichen Verständnis seiner Präsestätigkeit (Priester, Seelsorger, Pädagoge, Sozialreformer, Publizist) hat er dem Dienst des Präses eine zutiefst integrierende Funktion zugewiesen. Präses sein ist nicht ein Bereich neben anderen Bereichen des verbandlichen Lebens, sondern ihm obliegt die Sorge um deren spirituellen und kirchlichen Verwurzelung und Vernetzung. Und so ist auch heute jeder Präses in Kolpingsfamilie und Kolpingwerk der Spiritualität des seligen Adolph Kolping, seinem Glaubens- und Lebensbeispiel und seinem sozialpolitischen Engagement verpflichtet.

Aus dieser Orientierung an Adolph Kolping, aus seinem Gottvertrauen, seiner Liebe zu Jesus Christus und der Kirche und seiner großen Nähe zu den Menschen, besonders zu denen in Not und am Rande der Gesellschaft lassen sich wichtige Merkmale für eine Kolping-Spiritualität ableiten. Zu ihnen gehören:

  • die lebendige Einheit von Glaube und sozialer Verantwortung
  • die bewusste Ausrichtung auf den Menschen in Arbeit und Ausbildung, in Ehe und Familie, in seinem sozialen, gesellschaftlichen und politischen Umfeld und vor allem auf junge Menschen in ihren konkreten Denk- und Lebenswelten
  • das soziale und gesellschaftspolitische Engagement
  • das Gefühl der Zusammengehörigkeit einer weltweiten Gemeinschaft
  • das Bewusstsein einer weltweiten Gebets- und Solidargemeinschaft
  • die ökumenische Dimension und Zusammenarbeit
  • das Verständnis als Weg-, Glaubens-, Bildungs- und Aktionsgemeinschaft

Im Leitbild des Kolpingwerkes heißt es zusammenfassend:

"Quelle unseres Engagements ist das geistlich- religiöse Leben. Es geschieht durch die persönliche Begegnung mit Jesus Christus und findet seinen Ausdruck im Gebet und in der tätigen Liebe, im Hören des Wortes Gottes und in der Feier der Sakramente."